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Das Kompartmentsyndrom – schnelles Handeln ist gefragt!

Was ist ein Kompartment?

Als Muskelkompartment oder Muskelloge wird ein vor allem durch Faszien umschlossener Raum bezeichnet, in dem Muskeln mit gleicher Funktion zusammengefasst werden. Sie werden dadurch von den anderen Muskelgruppen abgegrenzt und vor äußeren Einflüssen geschützt. In der Regel besitzen sie eine gemeinsame Blutversorgung und die gleiche Innervation. Die umgebenden Strukturen, vor allem die Faszien sind nur wenig dehnfähig und lassen eine Ausdehnung kaum zu, was sicher für die Funktion auch nicht sinnvoll wäre.
Die Einteilung in Kompartimente findet sich vor allem an den Extremitäten. Am für Fußballer besonders relevanten Bein gibt es zum Beispiel vier Kompartimente am Unterschenkel, die Extensorenloge an der Vorderseite, die Peronäusloge außen und die oberflächliche und tiefe Flexorenloge in der Wade. Am Oberschenkel finden sich drei.

Was passiert bei einem Kompartmentsyndrom?

Nach Verletzungen oder Operationen kann es zu Einblutungen oder einer Flüssigkeitsansammlung innerhalb eines Kompartments kommen. Grundsätzlich kann davon jede Muskelloge betroffen sein. Bei Fußballern tritt das typischerweise nach Knieverletzungen auf, aber auch nach Prellungen durch einen Tritt oder lange Grätschen in die Wade. Das Problem, dass entsteht, ergibt sich einerseits daraus, dass die Blut- oder Flüssigkeitsansammlungen nicht abfließen können wie bei offenen Verletzungen. Andererseits können sie sich wegen der geringen Dehnfähigkeit des umgebenden Gewebes nicht nach außen erweitern. Es entsteht ein nach innen gerichteter Druck, durch den die dort verlaufenden Blutgefäße und Nerven abgequetscht werden. Wenn das passiert, kann es kritisch werden und schnelles Handeln ist gefordert.
Die Problematik verstärkt sich und wird zum Teufelskreis, weil meistens auch der venöse Rückstrom gestört ist und dadurch noch mehr Blut im Gewebe gestaut wird.

Die Symptomatik entwickelt sich in der Regel nicht sofort, sondern einige Stunden nach dem Ereignis, im Schnitt 15 – 36 Stunden danach. Sie beginnt mit einem starken Druckgefühl, einer prallen Schwellung und unerträglichen Schmerzen, die durch die üblichen Schmerzmedikamente nicht oder kaum beeinflussbar sind. Der Druck auf die Nervenfasern verursacht zunächst Sensibilitätsstörungen, später auch motorische Ausfälle. Dehnungen verstärken den Schmerz und im Gegensatz zu normalen Schwellungen bringt eine Hochlagerung des Beines keine Entlastung. Im weiteren Verlauf wird die Beweglichkeit der benachbarten Gelenke erheblich eingeschränkt. Die Haut distal des Geschehens sieht blass aus, fühlt sich kalt an und es ist dort kein Puls tastbar.

Was tun?

Wenn solche Symptome auftreten ist ganz schnelles Handeln angesagt, weil durch die Unterbrechung der Blutversorgung Muskelgewebe absterben kann und Nerven durch den Druck bleibend geschädigt werden können. Im Extremfall besteht die Gefahr einer Amputation wie bei Wojtec Czyz. Das Kompartmentsyndrom ist eine absolute Notfallsituation. Aber gerade bei Fußballern, die schon häufig Verletzungen hatten und an starke Schmerzen gewöhnt sind, besteht das Risiko, dass sie diese nicht ernst genug nehmen und sich nicht rechtzeitig in die Notfallambulanz begeben.

Therapie und Ausblick

Der Verlauf eines Kompartmentssyndroms kann je nach Größe des raumfordernden Prozesses unterschiedlich sein, sollte aber immer als Notfall angesehen werden. In den meisten Fällen ist eine schnelle Operation notwendig. Dabei wird nach Durchtrennung der oberen Gewebeschichten die Faszie über die gesamte Ausdehnung des betroffenen Kompartments gespalten und das Blut oder die Flüssigkeitsansammlung abgesaugt. Schon abgestorbenes Gewebe wird abgetragen und die Wunde gereinigt. Gerade in der Wade ist häufig ein Zugang von beiden Seiten notwendig. Die Wunde bleibt zunächst offen, um sicherzustellen, dass tatsächlich keine Flüssigkeitsreste im Gewebe verbleiben und um schnell reagieren zu können, wenn Entzündungen durch Erreger entstehen. Erst dann erfolgt die Naht der Faszie und der darüber liegenden Hautschichten.

Die operativen Maßnahmen stellen einen schweren chirurgischen Eingriff dar und häufig sind Nachoperationen notwendig. Aus diesem Grund dauern die Regeneration und die Rehabilitation schon normalerweise sehr lange. Der gesamte Heilungsprozess kann sich unter Umständen über viele Monate hinziehen, wie bei Jonas Koch, der insgesamt 9 Operationen über sich ergehen lassen musste und über ein Jahr gebraucht hat, bis er wieder mit Sport beginnen konnte. Mit viel Willenskraft und Durchsetzungsvermögen hat er es aber schließlich doch geschafft, wieder als Profifußballer tätig zu sein.

Für Wojtec Czyz war Fußballspielen nach der Amputation nicht mehr drin. Aber mit einer bewundernswerten Einstellung hat er es geschafft eine zweite, äußerst erfolgreiche Sportlerkarriere zu starten. Er hat kurz entschlossen „umgeschult“ zum Sprinter und Weitspringer im Behindertenbereich und konnte zahlreiche paralympische Medaillen, Europa- und Weltmeistertitel in seiner aktiven Zeit erringen.

Autor: Ernst Ternig

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