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Piper-Verlag

Mroskos Talente - Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts

Mroskos Talente  - Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts
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Talentejäger sind immer auf der Suche nach dem perfekten Fußballspieler

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Lars Mrosko ist eigentlich der geborene Fußballer. Fußball ist sein Leben und vielleicht hätte aus ihm "was werden können", eine schwere Verletzung sorgt dafür, dass er seine Karriere als aktiver Fußballer frühzeitig aufgeben musste. Dies war aber für Lars Mrosko kein Grund dem Fußball komplett aufzugeben, er wird Jugendtrainer bei TeBe Berlin, später Talentscout für St. Pauli, Wolfsburg und dann sogar für den FC Bayern.

Mrosko bewegt sich plötzlich in einer Welt, die ihm gänzlich fremd erscheinen musste. Er wuchs in einfachen Verhältnissen in Neukölln auf, finanziert sich in jungen Jahren durch Ladendiebstähle. Seine Fußballkenntnisse und die dazugehörige unbändige Leidenschaft verschaffen den Zugang in eine ganz andere Welt, dort wo viel Geld im Spiel ist: Talente zu finden und zu vermitteln, in eine der besten Fußballligen der Welt.

Er landet auch im Büro von Felix Magath, der Mroskos Leidenschaft erkennt und ihm glaubt, dass Edin Dzeko der richtige Stürmer für Wolfsburg sein könnte ...

Über den Autor des Buches "Mroskos Talente - Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts"

Ronald Reng, geboren 1970 in Frankfurt, lebt als Sportreporter und Schriftsteller in München. Seine Biografie über den verstorbenen Torwart Robert Enke stand zehn Wochen unter den Top 5 der Spiegel-Bestsellerliste und wurde von der Kritik hoch gelobt.

Der Autor über sein Buch:

Im Profifußball suchen mittlerweile mehrere hundert Scouts, festangestellt von den Bundesligaklubs, weltweit nach Spielern für ihren Verein. Wie alles, was im Inneren der Bundesliga, jenseits der 90 Spielminuten geschieht, ist auch die Arbeit der Scouts selbst den fanatischen Fans allenfalls schwammig bekannt und deshalb mythen- und geheimnisumwoben. Wie das Geschäft Profifußball wirklich funktioniert, wie der Alltag im Geschäft Profifußball tatsächlich aussieht, hoffe ich, in „Mroskos Talente. Das erstaunliche Leben eines Bundesliga-Scouts“ beiläufig zu erklären.

Wir gehen mit Bayern Münchens Scout Lars Mrosko 225 Tage im Jahr auf Reise, samstags in Moskau im Stadion des russischen Meisters, am Sonntagmorgen schon wieder auf einem Nebenplatz des Berliner Olympiastadions beim Spiel der 16-Jährigen Nachwuchstalente von Hertha BSC.

Dabei begegnen wir in „Mroskos Talente“ natürlich auch jenen Weltmeistern und Berühmtheiten des Profifußballs, die wir aus den Medien kennen, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Didier Drogba und viele andere. Aber viel mehr beeindruckt haben mich bei den Recherchen zum Buch die Geschichten von den Unbekannten des Profifußballs, von Mrosko und seinen Freunden, die dafür leben, reinzukommen und dann irgendwie zu überleben in dieser Welt: Profifußballer, die von Viertligisten dazu angehalten werden, sich arbeitslos zu melden, damit das Arbeitsamt ihr Gehalt bezahlt.

Oder Scouts, die mit dem Auto 1500 Kilometer durch die Nacht zurück von einem Spiel fahren, nur um zuhause vom Trainer zu hören, der beobachtete Spieler sei nun doch nicht so interessant. Neben einer Milieubeschreibung ist „Mroskos Talente“ die unglaubliche, teilweise irrsinnige Biographie eines Jungen aus Neukölln, der wie so viele unbedingt im Profifußball dabei sein will. Er wächst in Berlin auf, als die Mauer fällt, und sucht in diesen wilden Jahren in Jugendbanden und in der Kleinkriminalität seinen Platz. Sein Zwillingsbruder findet seinen Halt schließlich im Glauben, bei den Jesuiten; Lars Mrosko findet ihn im Fußball.

Rezensionen und Pressestimmen - "Blick in den Maschinenraum des Fußballs"

NDR Kultur
»Ronald Reng wuchert wieder einmal mit seinem besonderen, bewunderungswürdigen Talent: mit der Fähigkeit, einen kleinen abseitigen Winkel des Fußballgeschäfts zu beleuchten und auf diese Weise etwas ganz Großes über das Leben zu erzählen.«

Stern
»Das Buch entwickelt die Wucht eines großen, zeitgenössischen Romans.«

Handelsblatt
»Ronald Reng – einer der wenigen deutschen Autore, die richtig gute Sportbücher schreiben können«

Der Sonntag
»›Mroskos Talente‹ ist für jeden Fußball-Fan ein absolutes Muss«

Fuldaer Zeitung
»Bestsellerautor Ronald Reng hat ein faszinierendes Porträt des langjährigen Bundesligascouts geschrieben – und dabei gleichzeitig die Mechanismen einer bedenklich hochtourigen Branche bloßgelegt.«

Der Tödliche Pass
»Das Buch ohne Happy End, aber mit versöhnlichem Ende, erzielt nicht nur deshalb eine der stärksten Wirkungen, die man einem Buch nur wünschen kann: nicht aufhören zu lesen, um zu wissen, wie es weitergeht.«

Reutlinger General-Anzeiger
»Für mich das Buch des Jahres.«

Südkurier
»Nun ist Ronald Reng mit ›Mroskos Talente‹ erneut ein packend wie ein Roman geschriebenes Sachbuch über die Schattenseiten des Profifußballs gelungen.«

Landshuter Zeitung
»Wer den Fußball verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.«

Ibbenbürener Volkszeitung
»›Mroskos Talente‹ zählt zu den wenigen Sachbüchern aus dem Bereich Fußball, die dazu geeignet sind, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ein weiterer ganz großer Wurf von Reng.«

Abendzeitung
»Wer den Fußball verstehen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.«

Bild am Sonntag
»Das beste Fußballbuch des Herbstes vom besten Sportautor der Republik.«

Die Welt
»Ronald Reng ist, wie von ihm nicht anders zu erwarten, ein kluges, differenziertes Buch gelungen. (...) Wer dieses Buch liest, erfährt Dinge über die Bundesliga, die einen anders auf das Spiel und seine Transaktionen blicken lassen.«

nk12.de
»›Mroskos Talente‹ ist die packende Geschichte eines einzigartigen Mannes, und sie handelt von Getriebenheit, Leidenschaft und bedingungsloser Liebe für die abenteuerliche, abgründige Welt des Profifußballs.«

Hannoversche Allgemeine Zeitung
»Reng nimmt den Leser mit in die Hinterzimmer, in die schmuddeligen Kabinen der Jugendmannschaften, in die Discos und in die Hochhäuser von Neukölln.«

11 Freunde
»Man folgt den Geschichten nicht nur gerne, weil ihr Held so eine sympathische Type und die Anekdoten oft saukomisch sind. Sie eröffnen auch einen Blick in den Maschinenraum des Fußballs.«

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Ronald Reng hat ein Buch über den Alltag eines Bundesliga-Scouts geschrieben. Wäre es Fiction, dann wäre es der Roman der Saison.«

Heimspiel
»Vielmehr durchweht Tragikomik dieses Sachbuch, das sich wie ein Roman liest und einen kopfschüttelnd liebevollen Blick in den Maschinenraum der Bundesliga wirft: mit einem zärtlichen Chaoten im Zentrum, der aus Liebe zum Fußball versucht, ein Teil von dessen Welt zu sein.«

Leseproben zu »Mroskos Talente« (Auszüge)

Prolog Monopoly

...
Es gab Wodka und Bier. Geld war beständig knapp, aber sie trieben doch immer genug auf, um was zu trinken zu haben, um in die Disco reinzukommen. Bodden jobbte als Cocktailmixer, Shergo spielte bei den Reinickendorfer Füchsen in der vierten Liga Fußball. In der Sprache der Erwachsenen, zu denen sie sich in ihrem Alter nun zählen sollten, waren das Nebenjobs. Aber sie konnten von 600 Mark im Monat leben, wenn sie noch im Kinderzimmer wohnten. Warum sollten sie mehr, warum etwas Langweiliges arbeiten ? Manchmal dachte Lars an die 75 000 Mark. Die Zahl klang gigantisch, aber so groß war sie doch gar nicht mehr, er hatte dank Antjes Insistieren schon ein paar Tausend Mark von den Schulden abgetragen, die er zwischen 20 und 22 aufgehäuft hatte, beim Vermieter, Sozialamt, bei den Banken, Versicherungen, überall. Im Prinzip unterschied das echte Geld sich nicht vom Monopoly-Geld : Man brauchte nur genug, dann blieb das Leben ein Spiel.

... Bodden hieß in Wahrheit Daniel. Sie hatten ihn nach Olaf Bodden umbenannt, dem schweren Bundesligastürmer, der jede Menge Tore erzielte, aber ihrer Meinung nach doch kein guter Fußballer war, einer, der mit Kopfbällen und Kampfgeist bestand. Ein echter Fußballer war einer wie Shergo, feinfüßig, mit Körperfinten, und beim ersten Körperkontakt ging er zu Boden, schindete einen Elfer. Ein echter Köter. Shergo spielte vierte Liga für 630 Mark im Monat und außerdem auf jedem Freizeitturnier, bei dem ihn die Jungs brauchten, für Sporting Mutante, Juve Rudow oder den Hertha-Fanklub. Shergo, der mit dem ganzen Gesicht lachen konnte, und dann mochte ihn jeder, rauchte eine Zigarette vor dem Spiel, aber am Abend vor der Partie blieb er zu Hause, also, er versuchte es zumindest. Er würde Profifußballer werden, war doch klar.
...

Der göttliche Gatzweiler

...
Lars ¬Mrosko, der mit seinen Freunden Lackbomben aus dem elften Stock feuerte, legte Wert darauf, bei seiner Arbeit äußerst seriös aufzutreten. Er war jung genug, darin keinen Widerspruch zu sehen. Ihm war es wichtig, verlässlich zu sein ; beim Blödsinnmachen mit den Freunden genauso wie beim Talentesuchen für Bayern München. Nur für die anderen in Neukölln war es schwer zu begreifen, wie das zusammenging ; dieser 23 jährige Junge im Kapuzenpulli, der bislang Ausbildungen als Kindergärtner, Dachdecker und Elek¬tri¬ker abgebrochen hatte, und der deutsche Fußball-Rekordmeister.
Bayern München, ja ja, sagte sein Opa Locke.
Wenn Lars zu erklären versuchte, was er tat, wurde es nicht besser.
Was biste, Scout ? Was is’n das, Pfadfinder oder was ?
Wenn die Verwandten und Freunde, die nicht glauben konnten, dass er beim FC Bayern arbeitete, in Neukölln auf der Straße auf ihn angesprochen wurden, wussten sie allerdings plötzlich voller Stolz ganz genau, was er machte : Er stellt für die großen Bayern die Mannschaft der Zukunft zusammen !
Ganz genau genommen, war er einer von über einem Dutzend Scouts auf Honorarbasis, die im Jahr 2000 in ganz Deutschland nach Talenten für die Nachwuchsmannschaften des FC Bayern suchten. ¬Mrosko sah sich jede Woche vier bis acht Spiele von Jugendteams an und meldete seine Eindrücke nach München. In Momenten, in denen ihn etwas bedrückte, fand er : Er war das kleinste Licht. Aber die Verzagtheit wich schnell wieder, wenn er bei der Arbeit war.

...
Für 3000 Mark, die keiner von ihnen besaß, hatte ihm der Vater einen gebrauchten roten Mazda V6 für den Job bei den Bayern gekauft. Das Auto musste rot sein, die Farbe von Ferrari, die Farbe der Bayern. ¬Mrosko fuhr raus aus Berlin, auf der neu gebauten A9 Richtung Süden, blühende Landschaften entstanden da ja, waren in Wirklichkeit zwar meist nur Felder in blassen Farben, aber das spielte keine Rolle ; Wolle Petry lief im CD Spieler, einfach geil – endlich frei, und ¬Mrosko dachte sich, dass er doch erst am Anfang war, mit 23 Scout bei Bayern München. Er würde der beste aller Scouts werden, unbedingt.

...
Der Beruf war in Deutschland so jung, dass es keine deutsche Bezeichnung für ihn gab. Späher, Talentejäger, das hätte nach alten Zeiten geklungen, und dies war doch die Epoche des modernen Fußballs, alles wurde systematischer, wissenschaftlicher und vor allem größer. Talente sollten nicht mehr zufällig von einem befreundeten Kleinstadttrainer empfohlen werden, sondern jeder Winkel des Landes nach begabten Kindern durchforstet werden, jeder potenzielle Zugang in einer Datenbank erfasst. Wohl erst nach 1990 hatten die ersten Bundesligaklubs feste Stellen für Nachwuchsscouts geschaffen, und erst seit Neustem, seit 2000, wurden spezialisierte Scouts in allen Profiklubs eine Selbstverständlichkeit. ¬Mrosko musste bei Gelegenheit Jürgen Rehberg von Schalke oder Wolfgang Geiger vom VfB Stuttgart nach den Anfängen fragen ; wobei, wahrscheinlich musste er nicht danach fragen. Sie würden es gewiss von selbst erzählen. Obwohl es ein junger Beruf war, gab es selbstverständlich schon Kollegen, die wie Veteranen auftraten. Sie standen zusammen hinter der einfachen Blechbalustrade am Fußballplatz der thüringischen Sportschule Bad Blankenburg, Rehberg mit der aufrechten Haltung und den sportlich-schicken Freizeithosen eines Tennislehrers, Geiger mit den melancholisch tief hängenden Augenlidern, Bernd Pfeifer von Werder Bremen, Peter Frahm vom HSV. Die 15, 20 üblichen Nachwuchsscouts waren zum DFB-Trainingslehrgang der besten 15 Jährigen Deutschlands gekommen. Sie waren Konkurrenten. Sie traten stets als Gemeinschaft auf. Sie wohnten im selben Hotel, sie saßen bis nachts im Restaurant zusammen, sie standen beim Training in der Gruppe am Spielfeldrand. Es gab bei Lehrgängen und Länderspielen der Jugendnationalteams für alle dasselbe zu sehen, da brauchten sie sich nicht zu bekriegen. »Das ist kein James-Bond-Job, auf geheimer Mission hinter Hecken«, sagten die Veteranen zu ¬Mrosko, und er nickte.

...
Der Torwart wurde beim Sprung immer länger. Wo holte er die Spannung aus seinem Körper ? Er lenkte Schüsse mit den ausgestreckten Fingerspitzen um den Torpfosten, sodass ¬Mrosko nur noch denken konnte : Leck mich am Arsch. René Adler hieß der fliegende blonde Torwart.
Gatzweiler beschleunigte, Adler flog. Es war der Morgen eines beliebigen Wochentags, auf einem windanfälligen Sportplatz in der thüringischen Provinz, ein alltägliches Training von 15 Jährigen, eine merkwürdig eng zusammenstehende Gruppe von 15, 20 Männern als einzige Zuschauer ; und wer in der Gruppe hatte nicht das Gefühl, dass gerade etwas Großes begann und sie die Ersten waren, die es sahen. Wer in der Gruppe konnte sich in solchen Momenten gegen das Gefühl wehren, dass alles Große in der Bundesliga auch mit ihnen begann.
¬Mrosko kannte René Adler nur zu gut. Er hatte den Jungen vor einem Jahr, 1999, beim DFB-Schülercamp in Berlin gesehen. Scout-Liebe auf den ersten Blick : Wie der Junge den Strafraum dominierte, wie er, als gäbe es keine Schwerkraft, den Ball beim Abwurf 40 Meter weit schleuderte, genau in den Lauf des Mitspielers.
¬Mrosko wollte ihn sofort haben. Er arbeitete damals noch für den Zweitligisten Tennis Borussia Berlin, wo er als Jugendtrainer in dieses neue Ding Scouting reingeraten war, wo ihn einer der Honorarscouts des FC Bayern kennenlernen und den Münchnern empfehlen würde. Nachdem ¬Mrosko den Nachwuchskoordinator von Tennis Borussia überzeugt hatte, dass sie diesen 14 jährigen Torwart haben mussten, dass es so einen Torwart nur einmal alle paar Jahre gebe, eilte er aufs Postamt, wo er sämtliche Telefonbücher von Deutschland fand. Er musste die Eltern des Jungen anrufen. Gut 60 Adlers waren in Leipzig registriert, okay, Café Adler und Adler-Apotheke konnte er streichen, aber er würde alle 58 Adlers anrufen, bis er die richtigen hatte.
Irgendwann, er hatte den Überblick verloren, ob beim 19. oder 25. Adler, war der Junge selbst dran. Höflich entschuldigte ¬Mrosko die Störung und erkundigte sich, ob denn die Eltern auch zu Hause seien. So wie der Junge aussah, die weichen Züge im Gesicht, so zurück¬haltend, aber aufgeschlossen, wie er sich auf dem Fußweg zum Training in der Gruppe der Mitspieler gab, glaubte ¬Mrosko zu wissen, dies war ein ordentliches Elternhaus, da war es wichtig, die Form zu wahren : Nicht den 14 Jährigen anbaggern, sondern erst mit den Eltern reden. Ein guter Scout musste alles sehen, und er sah alles, fand ¬Mrosko.
»Vati und Mutti sind gerade spazieren«, flötete der Junge, und ¬Mrosko kombinierte, wie er »Vati und Mutti« sagt, das klingt nach einer engen Beziehung zu den Eltern ; das wird nicht einfach, die Familie zu bewegen, René in Berlin auf ein Internat gehen zu lassen. Eine Stunde später rief ¬Mrosko wieder an.
Er traf die Eltern in einem Hotel am Leipziger Bahnhof. Der Nachwuchskoordinator von Tennis Borussia hatte gesagt, fahr du hin, sprich du erst einmal mit den Eltern. Das war eine Beförderung : Er durfte, zum ersten Mal, den Klub bei Gesprächen mit Eltern repräsentieren, und dann gleich bei solch einem herausragenden Spieler. -Mrosko wusste nicht, war er so glücklich, war er so aufgeregt ? Vermutlich war er beides.
Hotels, dachte er sich, waren als Kulisse für solch ein Gespräch passender, seriöser als Cafés. Auch wenn das Hotel, das er am Bahnhof auswählte, ein Ibis war. »Sie sind ja auch noch ganz schön jung«, sagten die Adlers.
¬Mrosko verstand es nicht als Zweifel an seiner Autorität, sondern als Einladung zu erzählen, von seiner Fußballkarriere in ambitionierten Amateurvereinen, von der Auszeichnung, in jungen Jahren schon einen derart verantwortungsvollen Job bei Tennis Borussia auszuüben.
Und René müsste in einem Sportinternat in Ost-Berlin wohnen und zum Training durch die ganze Stadt nach Charlottenburg fahren, hakten die Eltern nach. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, den Jungen in einer Gastfamilie unterzubringen, meinte ¬Mrosko spontan. Er wusste nicht, ob diese Möglichkeit tatsächlich bestand. Aber dann musste sie eben geschaffen werden.
Wie schnell das alles selbstverständlich geworden war : Kinder, die für den Fußball allein von Hamburg nach München, von Leipzig nach Berlin zogen, mit deren Eltern gefeilscht wurde, ob die 15 Jährigen 500 oder 600 Mark im Monat erhielten.
Als sie sich verabschiedeten, hatte ¬Mrosko den Eindruck, das wird schwer, aber wir haben eine Chance. Die Jugendteams von Tennis Borussia waren die besten im ganzen Nordosten, und ihr Nachwuchskoordinator, Mirko Slomka hieß er, war eine Persönlichkeit, eloquent, pädagogisch, kompetent. Er musste Slomka gleich bitten nachzuhaken. Sie mussten dranbleiben. Einige Wochen später kam die Nachricht, der 14 jährige Torwart René Adler wechsle zu Bayer 04 Leverkusen.
So eine Scheiße, dachte ¬Mrosko, oder murmelte er es schon, ich war da zuerst dran ! Rational betrachtet, hatten sie mit Tennis Borussia keine Chance, wenn einer der großen fünf deutschen Vereine einen Jungen lockte. Und natürlich hatte nicht nur er, sondern jeder Scout René Adler beim Schülercamp in Berlin gesehen. Doch das linderte den Liebeskummer nicht. Spieler, die er einmal entdeckt hatte, blieben seine Spieler. Es schmerzte, wenn sie ihm ein anderer Verein wegschnappte, wenn ein anderer offiziell sagen konnte : Ich habe ihn entdeckt.
»Niemand entdeckt einen Spieler«, sagten die Veteranen zu ¬Mrosko. Das sei nur so ein blödes Etikett der Presse : der Entdecker von Rummenigge, Dettmar Cramer ; der Entdecker von Lothar Matthäus, Hans Nowak. Das Talent eines Fußballers wie Matthäus entdecke jeder, der ihn sehe. Und dann brauchte es immer – auch bei einem Spieler wie Matthäus – etliche Förderer, nicht den einen : seine Jugendtrainer, den Mann mit den Kontakten, der ihn Borussia Mönchengladbach empfahl, seinen ersten Profitrainer, der ihn trotz seines zarten Alters schon in der Bundesliga einsetzte. Das klang ¬logisch. Abends im Speisesaal des Hotels Am Goldberg bestellten die Scouts dann eine Schlachtplatte und erzählten, wer von ihnen welchen Klassespieler entdeckt hatte.
Vieles konnte ein Scout lernen. Technische Kriterien zur Spieleranalyse ließen sich von Trainern und Kollegen aufschnappen, geht der Rechtsaußen immer nur rechts am Gegner vorbei, weil er den Ball mit links gar nicht spielen kann, solche Sachen. Aber den Blick, glaubte ¬Mrosko, den hatte man oder man hatte ihn nicht. »Ich erkenne in fünf Minuten, ob einer geradeaus laufen kann«, hatte er dem Reporter der B. Z. gesagt, als die einen Artikel über ihn veröffentlichten, war ja eine Story, Bayern München holt 23 jährigen Berliner. »Ich erkenne in fünf Minuten, ob einer Profi wird«, machte die Boulevardzeitung dann aus seinem Zitat. Las sich natürlich ein bisschen großspurig und war auch großer Quatsch. Ob einer Profi wurde, erkannte kein Mensch, bis der Junge wirklich einen Profivertrag unterschrieb. Aber alles in allem war der Artikel trotzdem cool. Denn der Text bestätigte doch, was -Mrosko ahnte : Er hatte den Blick, für die Frauen wie für die Fußballer, Yvonne, Antje, René Adler, Marian Gatzweiler.
Zu Hause in Berlin, zurück vom Trainingslehrgang in Bad Blankenburg, trug -Mrosko seine Bewertungen säuberlich in die vorgedruckten Analysebögen des FC Bayern ein. Die Kategorien waren vorgegeben, Größe, Fuß, Schnelligkeit, Passspiel, Zweikampfverhalten, Charakter, einiges mehr, Gesamteindruck. Für jede Eigenschaft musste er neben der Beschreibung Punkte auf einer Skala von 0 bis 10 vergeben. Angstfrei, notierte ¬Mrosko neben etlichen Höchstnoten bei Gatzweiler, Marian. Per Fax reichte er seine Empfehlungen an die Klubzentrale weiter und erfuhr nie, ob seine Meinung irgendeinen Einfluss hatte.

Auflage: 1. Auflage
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 416
ISBN-10: 3492055931
Autor: Reng, Roland
Formatangabe: Gebunden mit Schutzumschlag, Hardcover
Erschienen: 10.08.2015
ISBN-13: 978-3-492-05593-2
Kategorie: Geschenke
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